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Interview mit Arnulf von KawauTV

Interview mit Arnulf von KawauTV

Arnulf Zeilner ist Twitch-Streamer und Spielmann aus Herrnleis in Niederösterreich. Auf seinem Channel KawauTV spielt das selbsternannte Schandmaul Minnelieder, Spott- und Landsknechtslieder auf mittelalterlichen Instrumenten (das können schon mal drei Flöten auf einmal sein) und informiert über das mittelalterliche Leben. Bei der Zusammenarbeit mit 1337 war Arnulf sofort dabei und hat unseren Crowdfunding-Film tatkräftig unterstützt – wir freuen uns, dass er sich hier in einem Interview vorstellt.

Hi Arnulf, wir haben gehört, Du warst zuletzt auf einer Twitch-Promotion in Berlin. Wie lief das so?

Die Twitch-Tour war grenzgenial. Ich hatte am Anfang keine Ahnung und fragte einen Bekannten, wie sowas läuft. Durch ihn erfuhr ich, dass es die erste Twitch-Tour war. Ich habe tolle Leute kennengelernt – Twitch-Mitarbeiter oder auch andere Streamer. Am Sonntag habe ich mich noch mit Leuten aus meiner Community getroffen und den Abend noch mit TenseInforms (ehemals Applewar Pictures) ausklingen lassen. War ein starkes Wochenende. Am Montag war dann die ganze Twitch-Aktion.

Du hattest zuletzt einen Unfall, wie geht es dir – was macht dein Arm? Kannst Du deine Instrumente schon wieder spielen?

Mein Handgelenk ist im Moment noch ziemlich geschrottet. Der Unfall ist jetzt schon fast 6 Wochen her, morgen geht’s mal wieder zum Arzt. Sonst habe ich mich aber ganz gut erholt, aber das Auto ist halt Schrott. Ein paar Instrumente kann ich zwar noch nicht wieder richtig spielen, aber zum Glück spiele ich so viele Instrumente, dass das gar nicht so schlimm ist. Auf drei Flöten gleichzeitig spielen kann ich schon wieder ganz gut. Cister, Okarina, und kleinere Psalter sind auch kein Problem. Dudelsack geht im Moment noch nicht, den ersetze ich dann aber durch die Rauschpfeife. Meine Vielseitigkeit zahlt sich da auf jeden Fall aus.

Du bezeichnest dich selbst als Schandmaul, was bedeutet dieser Titel für dich?

Also eigentlich hat man mich so genannt. Ich hatte ursprünglich vor mich Arnulf, der Schluckspecht zu nennen. Das hing mit meiner ersten Band zusammen, da trugen alle einen Vogel im Namen, da gab es den Krehpein und den Rabenbrot und ich dachte eben, ich nenne mich Arnulf, der Schluckspecht… weil ich oft Durst habe. Irgendwie befürchtete ich dann aber, wenn die Leute den Namen zu ernst nehmen, ist das auf die Dauer nicht gut für die Leber. Aufgrund einiger eher schändlicher Lieder wurde ich dann von der Zuschauerschaft Arnulf, das Schandmaul getauft.

 

Dein Twitch-Kanal ist ja schon etwas ungewöhnlich, den meisten anderen Streamern wird ja mehr beim Computerspielen und nicht beim Musizieren zugeschaut. Wie bist du auf die Idee gekommen, deine Musik über Twitch zu verbreiten?

Das war wie bei vielen anderen Dingen in meinem Leben: Ich wollte ja auch nie Musik machen. Ich habe mein erstes Instrument, eine Blockflöte, im Alter von 19 Jahren bekommen. Ich hab‘ mich einfach nicht genug gegen das Musizieren gewehrt. Ich war schon in jungen Jahren im Mittelalter-Verein. Dort war ich mit Schwert und Schild nicht so schlecht und habe als Knappe meinem Ritter schon gut Paroli geboten. Aber mein Ritter meinte dann: Kämpfen alleine macht keinen Ritter. Und dann gab er mir seine alte Blockflöte und ich sollte die höfischen Damen bespielen.

Du hast tatsächlich erst mit 19 angefangen Instrumente zu spielen?

Ja, ich hab‘ in der Schule Musik abgewählt, weil ich so Scheiße war. Ich kann auch bis heute keine Noten lesen. Ich hab‘ keine Ahnung von dem Zeug.

Und seit wann bist du Berufsmusiker?

Seit 2001. Ich habe lange Zeit auf Mittelalterfesten Schaukämpfe gemacht und da sitzt du halt während den Pausen unterm Baum und flötest vor dich hin. Dann kommt jemand vorbei und sagt: „hast du nichts besseres zu tun?“ Du antwortest: „Nein!“ Und er erwidert: „Wenn das so ist, spiel weiter, dann kriegst du Mittagessen.“ Das war meine erste Gage. Nachdem ich mir in Irland dann eine irische Rahmentrommel gekauft hatte, wurde ich eingeladen mit einer Irish Folk Band auf der Bühne zu spielen. Die wollten mich von der Bühne werfen, wenn ich nicht richtig trommle. Das haben sie dann nicht gemacht, ich muss sie wohl überzeugt haben. Irgendwann konnte ich mich dann selbständig machen. Zu meiner ersten Band bin ich gekommen, weil ich mich dann wieder nicht genug gewehrt habe. Wir drei waren für den gleichen Auftritt gebucht und die meinten: „Du bist jetzt in unserer Band und kaufst Dir einen Dudelsack.“ Das hab‘ ich dann auch mitgemacht. Und beim Streamen war das genauso. Ich wurde von dem Streamer GGSoundJack auf einem Ritteressen für seinen Stream engagiert. Und dann haben wir 3 Stunden lang gestreamt, gespielt und gequatscht. Das hat super funktioniert und nachdem er ein Jahr lang versucht hat, mich zu überreden, habe ich mich entschlossen, das selber zu machen. Ich bin in solchen Computersachen ein echter Kacknoob, also brauchte ich viel Hilfe von dem Kollegen. Der kam zu mir nach Hause und hat dann erst mal über meinen Apple Laptop geflucht. Die Sounds für Twitch haben wir nie richtig zum Laufen bekommen, aber für mich ist das kein Problem, ich mache die dann einfach selber. Ich sitz‘ echt nur vorm Computer und drücke „OBS-Aufnahme“, ansonsten bin ich nur der Trottel vor der Kamera. Hier bei uns in der Ortschaft gibt’s auch kein schnelles Internet, wir haben 132 Einwohner, hier legt keiner ein Kabel her. Zum Glück haben mir Zuschauer eine Antenne aufs Dach geklatscht und seitdem läuft’s relativ stabil.

Du spielst nicht nur auf Twitch, sondern auch auf Mittelalterfesten, was ist dein nächster großer Gig?

Ich bin auf dem großen Fest Montur und Pulverdampf am 07. Und 08. Juli. Da spiele ich dann in Wien im heeresgeschichtlichen Museum, das ist echt groß. Viele Leute haben mir schon gesagt: streame doch mal von den Festen, aber Burgen wurden selten dort gebaut, wo es gutes WLAN gibt. Und das nächste große Fest ist dann in Hessen bei Diemelstadt, da gibt’s vom 24.-29. Juli das Drachenfest, das ist ein LARP mit 6500 Live-Rollenspielern und da spiele ich auch für eine Woche.

Du verbindest die modernen sozialen Medien mit mittelalterlicher Musik. Sowas ähnliches haben wir ja auch vor – ein traditioneller Pub mit Gaming. Du hast das Crossover geschafft, hast Du einen Tipp für uns wie das funktionieren kann oder hast du da gar keine Bedenken?

Ich finde, was ich von Euch bis jetzt gesehen und gelesen habe, ist eigentlich ohnehin schon top. Macht so weiter wie bisher. Ich habe immer mein Ding gemacht und die Leute fanden es gut und haben es unterstützt und genau so solltet Ihr es machen. Gutes Essen, gutes Trinken und nette Leute treffen – das zieht Menschen an. Und nicht immer nur alleine vorm Bildschirm hocken, ist halt auch ganz nett. Bei Twitch sieht man sich und man chattet und das ist auch schön, aber dieses sich mal live auf ein Bierchen treffen, das fehlt, finde ich.

Zum Abschluss: Du bist zuletzt zum Niederösterreicher des Monats gewählt worden, was sind deine nächsten Pläne – wirst du bald Österreicher des Monats? Oder was können wir in der Zukunft noch alles von Dir für Projekte erwarten?

Da habe ich eigentlich überhaupt kein großes Ziel, lustig wäre es natürlich Niederösterreicher des Jahres zu werden. Am Ende des Jahres wird nämlich aus allen 12 Niederösterreichern des Monats ein Niederösterreicher des Jahres gewählt [abstimmen dürfen alle, wir halten Euch diesbezüglich auf dem Laufenden!, Anm. d. Red.].

Willst du zum Schluss noch etwas loswerden?

Ich würde mich unheimlich freuen, wenn das Projekt 1337 Frankfurt gut funktioniert und ich dann einfach mal kommen, was trinken, essen und eines Tages auch Musik machen kann.

Das wird auf jeden Fall passieren! Wahrscheinlich kannst du dann auch aus unserem Pub live streamen.

Das wäre echt cool, denn meine Musik habe ich noch nie von woanders streamen können.

Vielen Dank Arnulf für das interessante Interview. Wir freuen uns auf Deinen Auftritt im Pub! Bis bald auf ein Bierchen oder zwei!

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